Die gesunde Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein kleines, zweilappiges Organ an der Vorderseite des Halses das wegen seiner Form oft mit einem Schmetterling verglichen wird.
Sie liegt der Luftröhre auf, dicht unterhalb des Schildknorpels, von dem sie ihren Namen hat. Im gesunden Zustand ist sie von außen nicht zu sehen und kaum zu tasten.
Die normale Schilddrüse hat bei Frauen ein Volumen bis 18ml, bei Männern gilt eine Schilddrüsengröße von 25ml als Obergrenze. Das entspricht etwa der Daumengliedgröße des jeweiligen Menschen.
Die Schilddrüse stellt aus Jod, das aus der Nahrung aufgenommen wird, und Eiweißbausteinen chemische Botenstoffe so genannte „Hormone“ her: Tetrajodthyronin (kurz „T4“) und Trijodthyronin (kurz „T3“). Die Schilddrüse kann diese speichern und bei Bedarf ins Blut abgeben und steuert so viele lebenswichtige Stoffwechselprozesse. Sie reguliert den Sauerstoffverbrauch, den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und damit den Energiehaushalt des Körpers. Sie beeinflusst Wärmehaushalt und Körpertemperatur, Herz und Kreislauf, Magen- und Darmtrakt, Muskeln und Nervensystem. Die gesamte körperliche und geistige Entwicklung hängt von ihr ab, sie bestimmt auch die seelische Verfassung des Menschen mit. Schon im Mutterleib regeln die  Schilddrüsenhormone im Zusammenspiel mit anderen Hormonen zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Sie sind besonders an der Hirnentwicklung, am Eiweißaufbau und am Wachstum von Knochen und Muskelgewebe beteiligt. Schilddrüsenhormone sind also lebensnotwendig.

 

Welche Bedeutung hat Jod für die Schilddrüse?

Die Schilddrüse braucht Jod, um die Hormone T3 und T4 zu produzieren. Jod gehört zu den Elementen, die wir in geringen Mengen brauchen, um unsere Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Es ist vor allem die Schilddrüse, die auf die regelmäßige Zufuhr von Jod angewiesen ist. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit etwa 1 Milliarde Menschen unter einem Jodmangel leiden; auch in Deutschland stellen hierdurch bedingte Erkrankungen der Schilddrüse ein großes Problem dar. Eine aktuelle Reihenuntersuchung (Papillon-Aktion Henning) mit etwa 100.000 untersuchten Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren fand heraus, dass jeder Dritte Auffälligkeiten im Bereich der Schilddrüse zeigt. Fast 20 Prozent der untersuchten Personen wiesen eine Schilddrüsenvergrößerung, zum Teil mit knotigen Veränderungen, auf. Weitere 14 Prozent hatten Schilddrüsenknoten ohne Nachweis einer Organvergrößerung. Es ist also hochgerechnet davon auszugehen, dass etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger betroffen sind, Männer scheinen ebenso „gefährdet“ wie Frauen. Jodmangel bedingte Veränderungen treten besonders bei älteren Menschen auf, da die Schilddrüse in deren Kindheit und Jugend zu wenig Jod erhielt. Das Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Jod und Kropfentstehung hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch weiterentwickelt und auch das öffentliche Bewusstsein für die Folgen der Mangelernährung ist gewachsen. Insgesamt entstehen in Deutschland durch die Untersuchung und Behandlung von Kropferkrankungen Kosten von über einer Milliarde Euro pro Jahr – und das, obwohl es sich eigentlich um eine vermeidbare Erkrankung handelt.

 

Wie viel Jod braucht man?

Deutschland gehört mit zu den jodärmsten Gebieten in Europa. In unseren Böden und damit auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide und Gemüse ist kaum Jod vorhanden. Die Ursache hierfür liegt lange zurück: Als nach der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren die Gletscher in Mitteleuropa schmolzen, wurde durch die abfließenden Wassermassen das meiste Jod aus dem Boden geschwemmt. Übrigens ist der Jodmangel kein speziell bayerisches Problem, wie lange Zeit angenommen wurde. Zwar war in Bayern wegen der ausgeprägten Jodarmut der Böden der Anteil der Kropfträger besonders hoch, so dass der Kropf in manchen Gebieten schon fast als „Erkennungszeichen“ galt. Neuere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass auch außerhalb der Alpenregionen bis zu 30 Prozent der Bevölkerung eine durch Jodmangel bedingte Vergrößerung der Schilddrüse aufweisen. Dies ist in erster Linie auf die inzwischen in den verschiedenen Landesteilen weitgehend angeglichenen Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen. Während eines durchschnittlich langen Lebens braucht ein Mensch nur etwa 5 Gramm Jod, das sind, auf den Tag umgerechnet, etwa 150 bis 300 Mikrogramm (μg). Auf den ersten Blick ist das nicht viel. Durch unsere Nahrung und über das Trinkwasser nehmen wir aber im Durchschnitt bei großer Schwankungsbreite nur etwa 100 – 150 μg Jod auf – also Tag für Tag etwa 50 – 100 μg zu wenig! Im Laufe der geologischen Entwicklung wurde das Spurenelement Jod aus dem Boden herausgewaschen und größtenteils ins Meer gespült. Deutschland ist laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung nach wie vor Jodmangelgebiet und hat einen hohen Prozentsatz an Jodmangelerscheinungen wie Kropfbildungen (Struma). Um die notwendige tägliche Jodmenge zu erreichen, sollten Sie bewusst auf eine jodreiche Ernährung achten. Wohldosierter Genuss von jodhaltigen Mineralwässern und regelmäßiger Verzehr von Meeresfischen (zweimal pro Woche) helfen, der Kropfentstehung vorzubeugen.


Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt folgende Tagesdosen Jod:
Säuglinge: 40 – 80 μg
Kinder bis zum 15. Lebensjahr: 100 – 200 μg
Jugendliche und Erwachsene: 180 – 200 μg
Schwangere Frauen: 230 μg
Stillende Mütter: 260 μg

 

Wie wird die Hormonproduktion in der Schilddrüse geregelt?

Die Schilddrüse schüttet Hormone nicht automatisch aus. Sie ist vielmehr in einen hormonellen Regelkreis eingebunden, in dem die Hirnanhangdrüse, medizinisch Hypophyse genannt, und ein Teil des Zwischenhirns, der Hypothalamus, eine entscheidende Rolle spielen. Aufgabe dieses Regelsystems ist es, zu gewährleisten, dass immer die richtige Menge an Hormonen ausgeschüttet wird und alle Körpersysteme ausreichend versorgt sind. Wenn eine zu geringe Menge an Schilddrüsenhormonen im Blut vorhanden ist, gibt die Hirnanhangdrüse das Hormon TSH (Thyreoidea-Stimulierendes-Hormon) ab, das die Schilddrüse zur Produktion anregt. Ist dagegen zu viel Hormon vorhanden, bremst die Hirnanhangdrüse die Schilddrüse in ihrer Hormonproduktion und -abgabe. Die Hirnanhangdrüse wird ihrerseits vom Hypothalamus kontrolliert, und zwar mithilfe des Hormons TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon).


Quelle: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH; Merck Pharma GmbH